17: Künstliche Intelligenz

Erscheinungsdatum: 
29.08.2018
Überschriften: 

Ausgangspunkt
KI nur ein Hype?
Neuronale Netze
Old vs. New Brain
Vorgehensweise
Erfolgsfaktor Mensch
Anwendungsbeispiele

Das Thema dieser Ausgabe der Management Inspirationen ist „Künstliche Intelligenz“, auch kurz „KI“ genannt (oder englisch: AI = Artificial Intelligence). Einige Manager glauben ja tatsächlich immer noch, dass jede Art von Informationstechnologie in den Verantwortungsbereich von Nerds oder Technikern gehört. Tatsächlich ist es von Nachteil, wenn Führungskräfte mit weniger Verständnis für die technischen Machbarkeiten weniger Impulse geben und technologische Innovationen entsprechend weniger erfolgreich umsetzen können. Das gilt auch und insbesondere für die nächsten „großen technologischen Wellen“. „Künstliche Intelligenz“ ist eine davon. Dabei darf nicht verkannt werden, dass die populärwissenschaftlichen Darstellungen oder Science-Fiction wenig mit der aktuellen Entwicklung zu tun haben. Erste Lösungen sind längst im Einsatz. So werden beispielsweise künstliche neuronale Netze so trainiert, dass sie Aufgaben der Qualitätskontrolle mithilfe von Kameras und anderer Sensorik übernehmen können. Der Blick des Kontrolleurs mit seinen menschlichen Schwächen wird also durch eine Kamera und eine auf einem herkömmlichen PC laufende Software ersetzt.
Dieses Beispiel offenbart sofort ein Dilemma, denn Wissenschaft und Forschung versuchen in erster Linie bahnbrechende Erfolge in der Nachbildung menschlicher Fähigkeiten bzw. der Entwicklung von aus menschlicher Sicht intelligenter Problemlösungsfähigkeiten zu erzielen, während die Industrie in erster Linie ein Interesse an praktikablen und wirtschaftlichen Lösungen hat. Deshalb sind
viele wichtige Fortschritte auch nicht sofort als solche der Künstlichen Intelligenz zu erkennen. Wenn einige Führungskräfte nicht in der Lage sind zu erkennen, was bereits mit welcher Qualität möglich ist und was in absehbarer Zeit vermutlich realisiert werden kann, können sie kaum eine längerfristige Strategie für den eigenen Verantwortungsbereich entwickeln. Genau aus diesem Grund wollen wir
mit dieser Ausgabe ein wenig Grundlagenwissen vermitteln und dazu anregen, sich mit der Thematik intensiver auseinanderzusetzen. Aus Sicht vieler Experten steht völlig außer Frage, dass „Künstliche Intelligenz“ die Leistungsfähigkeit unserer Unternehmen und unsere Arbeitswelt sehr stark verändern wird. Mit zeitlichen Prognosen lagen zwar schon sehr viele Experten völlig daneben, doch die bereits heute sehr erfolgreichen Produkte dieser Software-Kategorie lassen erahnen, dass gerade in den letzten fünf bis zehn Jahren eine Entwicklung angestoßen wurde, die sich bereits jetzt rasant entwickelt und kaum aufzuhalten ist.
In einem Artikel in „Zeit Online“ vom 22.9.2016 wird die Frage gestellt, wie die Geschichte für uns Menschen ausgeht. Genau diese Sichtweise wird natürlich auch regelmäßig von der Filmindustrie in spektakulären Filmen aufgearbeitet (z.B. Ex Machina, Spielberg) und beeinflusst unser Denken darüber. Wie das Beispiel der Qualitätskontrolle per Kamera und künstlichem neuronalen Netz (das wir in
diesem Heft erläutern) gut zeigt, geht es aus Sicht der Unternehmen in erster Linie um die Nutzung neuer Möglichkeiten der Automatisierung und neue Möglichkeiten für Geschäftsmodelle; es geht sicher nicht um die Vermenschlichung von Maschinen in der Gesamtheit ihrer Funktionen. Auch deshalb ist leider das Wissen über die Möglichkeiten und ja, auch über die Grenzen nicht weit verbreitet. In dieser Ausgabe werden wir uns aus gutem Grund nicht mit den ethisch-moralischen Fragestellungen beschäftigen. Wir betrachten diese neuen Technologien als Möglichkeiten wie die Datenbanktechnologie oder elektronische Verarbeitung von Dokumenten, die damals neue Möglichkeiten für Unternehmen und die öffentliche Verwaltung geschaffen haben. Das soll nicht heißen, dass es nicht sehr berechtigte Fragen gibt, die im gesellschaftlich-politischen Kontext gestellt und in absehbarer Zeit auch beantwortet werden müssen, so z.B. die Frage nach den Auswirkungen auf die Beschäftigung, nachgelagerte Fragen nach dem bedingungslosen Grundeinkommen oder einer zusätzlichen Maschinensteuer. Die Fragen gehören allerdings in den größeren Kontext der Automatisierung insgesamt, sind also in Teilen unabhängig von den neuen Möglichkeiten der „Künstlichen Intelligenz“. Die Aufgabe der Unternehmen bleibt davon unbenommen: Gewinn erwirtschaften und ein konkurrenzfähiges Geschäftsmodell betreiben und weiterentwickeln. Dazu tragen natürlich auch technologische Lösungen bei, von denen „Künstliche Intelligenz“ ein Baustein ist, mit denen sich Manager nur deshalb beschäftigen sollten, weil sie vielversprechend sind. Und sie sollten sich um der Beschäftigten Willen damit beschäftigen; nur so wird eine für alle Seiten tragbare Transformation möglich.