15: Agilität

Erscheinungsdatum: 
26.09.2017
Überschriften: 

„Manifest“
„Wasserfall“ oder „Agile“?
Experimente
Kanban und Scrum

Agilität ist in Zeiten der Veränderung ein positiv besetztes Wort. Manager verbinden mit Agilität meist eine gewisse Flexibilität, aber auch Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit. Und damit haben sie im Grundsatz auch recht. Oft geht die Vorstellung aber nicht viel weiter darüber hinaus. Diskussionen, ob agiles Projektmanagement besser sei als klassisches Projektmanagement, laufen schnell ins Leere. Denn diese Frage stellt sich so nicht. Stattdessen sollte die Frage lauten, wann agile Management-Methoden besser für die Aufgaben geeignet sind und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein sollten.

Interessanterweise gilt agiles Management als modern, obwohl agile Konzepte bereits in den 60er/70er und 80er Jahren intensiv ausprobiert wurden. Sehr erfolgreich ist beispielsweise der Kanban-Ansatz, dem wir deshalb in diesem Heft einen kleinen Platz reserviert haben. Nur weil alte Konzepte neuen Schlagworten weichen, heißt das nicht, dass die alten Konzepte heute keine Berechtigung mehr hätten.

Heute ist Scrum als Quasi-Synonym für agile Methoden in aller Munde. An der Methode Scrum kann man sich auch gut die grundsätzliche Funktionsweise agilen Projekt-managements anschauen, daher haben wir dafür auch einen Abschnitt reserviert. Scrum ist wie so viele „moderne Managament-Methoden“ im IT-Umfeld entstanden. Dort werden Methoden gern zertifiziert und das Zertifikat als Nachweis einer Expertise angesehen. Davor möchten wir bereits an dieser Stelle warnen. So schwierig sind die methodischen Grundlagen nicht zu erlernen und Kollegen, die den Sinn verstanden haben, können die Methoden in aller Regel besser anwenden als „Zertifikate-Sammler“. Deshalb legen wir in dieser Ausgabe der Management-Inspirationen großen Wert auf das Verständnis der Grundlagen, nicht so sehr auf den letzten Kniff einer festgelegten Verfahrensweise.

Die große Herausforderung in Unternehmen im Kontext agilen Handelns ist es, eine Balance zwischen festen Strukturen und Abläufen auf der einen Seite und agilen Strukturen auf der anderen Seite zu finden. Denn Agilität ist die Antwort auf Unsicherheit. Die Unsicherheit bei der Zielsetzung und in den Anforderungen, Unsicherheit bei der Planung und Unsicherheit bei der Umsetzung. Ohne diese Unsicherheiten wären alle zu wählenden Strukturen dichter an der Planwirtschaft (also an festen Strukturen, Zielen, Anforderungen, Plänen etc.), als wir uns das heute eingestehen wollen. Doch in der Realität haben wir es nun einmal mit vielen unbekannten Faktoren und Störgrößen und damit mit großer Unsicherheit zu tun. Deshalb fragen wir nicht, ob agiles Management besser ist, denn es ist grundsätzlich besser für Aufgaben mit höheren Unsicher-heiten geeignet, weil auf diese explizit eingegangen wird. Die Frage ist, für welche Art von Aufgaben dies zutrifft und welches die Voraussetzungen für den Einsatz dieser Methoden und Vorgehensweisen sind.