13: Gestaltung

Erscheinungsdatum: 
15.12.2016
Überschriften: 

Der gute Strategist
Gestaltungswille und Startups
Gestaltung: Beginn und Vorgehen

Überall wird dieser Tage die fehlende Sicherheit beklagt. Die Finanzkrise 2008/2009 hat zutage gefördert, was schon früher einigen weitsichtigen Menschen offensichtlich schien: Eine zu hohe Verschuldung führt zur Abhängigkeit mit den unterschied­lichsten Konsequenzen. Diese Folgen bekämpfen wir schon seit Jahren mit niedrigen Zinsen und beklagen nun die Unsicher­heiten, die sich aus den niedrigen Zinsen ergeben. Banken stöhnen unter der Last fehlender Einnahmepotenziale ihrer alten Geschäfts­modelle und der Bitcoin hat gezeigt, dass eine Währung tatsächlich weder einen Staat noch eine Bank braucht. Auch andere Faktoren, wie z.B. die rasant voranschreitenden technologischen Entwicklungen und der zunehmende Einfluss großer Konzerne lassen bei einem Teil der denkenden Bevölkerung das „ungute“ Gefühl eines Kontrollverlustes aufkommen. Natürlich gab es schon immer Ent­wick­lungen, die nicht jedem gefallen haben. Aber für das Maß, wie wir Veränderungen der Wirtschafts­welt (und auch der Gesell­schaft) in den kommenden ein bis zwei Jahrzehnten erwarten, haben wir noch keinen adäquaten Umgang auf der Gestaltungseite gefunden. Viel zu sehr sind wir gewohnt, die Dinge in kleinen Schritten zu optimieren.Selbst große Summen sind ja in der Regel nicht sonderlich mit Kreativität behaftet. Dieser Tage wird den Aktionären von Monsanto ein Angebot zur Übernahme unterbreitet, das sicherlich für diese attraktiv ist. Für Bayer hingegen ist es erst attraktiv, wenn sich der gegenüber dem vorherigen Kurs angebotene Aufschlag rechnet. Das sind grob gerech­net 15 Mrd. US-Dollar, die nun über Mehrwerte, Synergien etc. zunächst zusätzlich verdient werden müssen, um nur den überhöhten Kaufpreis zu rechtfertigen; ob es darüber hinaus ein lohnendes Investment ist, scheint für die Strate­gen ausgemachte Sache – und es kann ja auch so sein. Aller­dings ist die Übernahme keine kreative Meisterleistung in der Disziplin „Gestaltung“. Es ist das, was viele machen – in diesem Fall nur größer als gewöhnlich. Wir wünschen den Aktionären von Bayer und den Mitarbeitern wie auch den Kunden, dass dieser Deal nicht nur egozen­trischer Großmannssucht entsprungen ist. Wir haben in Mittel­europa leid­lich Erfahrung: Daimler als Technologie­konzern unter Edzard Reuter, Daimler als globaler Auto­mobil- und Lkw-Bauer unter Schrempp, die Deutsche Bahn mit einer Pünkt­lich­keitsoffensive unter Mehdorn … Der Erfolg entscheidet sich immer erst bei der Umsetzung – und leider haben so manche Verantwortliche ihre eigenen Ideen (die an sich nicht schlecht gewesen sein müssen) überschätzt und ihr Umfeld falsch eingeschätzt (was auch die Folge einer Über­schätzung eigener Fähigkeiten ist). Doch um Bashing soll es hier nicht gehen, Mut ist sicher immer eine Ingredienz, die auch zu guten Entscheidungen dazu gehört.Diese Beispiele sollen deutlich machen, dass wir dringend mutige Entscheidungen in den Unternehmen brauchen, aller­­­dings nicht auf Kosten der Qualität der Ideen. Es geht um Ideen, die nicht jeder hat, die nicht jeder umsetzen kann und bei denen es mit Sicherheit nur nachgelagert um das Ego der treibenden Entscheider gehen sollte.Wir würden uns wünschen, wenn unsere Leser ihre guten Ideen mit mehr Überzeugung vorantreiben, mit mehr Mut entscheiden und mit mehr Konsequenz und Disziplin umsetzen würden. Das soll bitte nicht überheblich klingen, im Gegenteil: Die nächsten zwei Jahrzehnte brauchen wir kreative, mutige, konsequente und disziplinierte Manager und Eigentümer mehr denn je. Das sind wir unseren Fami­lien, unseren Kunden und unseren Mitarbeitern schuldig.In diesem Sinne möchten wir Sie einladen, sich auf das Thema dieser Ausgabe „Gestaltung“ einzulassen und die eine oder andere Inspiration mitzunehmen. Wir wollen mit Ihnen gemeinsam ergründen, was eigentlich ein guter „Strategist“ ist. Wir beleuchten dazu einen fast 25 Jahre alten Artikel, der in dem Harvard Business Review er­schienen ist und in dem damals genau diese Frage gestellt und ansatzweise beantwortet wurde. Da sich die Sicht auf Strategie insgesamt in diesen Jahrzehnten stark verändert hat, ist es interessant zu sehen, welche Merkmale wir heute als wich­tig einstufen. Der „Strategist“ zeichnet für die „Gestaltung“ des Unternehmens verantwortlich. Und so sind die Erwartungen an diesen Typ heute sehr hoch.Die in letzter Zeit neu zur Gruppe der Milliardäre hinzu­ge­stoßenen sind zumindest im westlichen Kultur­kreis entwe­der Erben oder Gründer, wobei der Anteil der Gründer stark gewachsen ist. SAP, Oracle, Apple, Facebook, Google etc. sind alles Unternehmen, die aus einer oder mehreren starken Ideen heraus entstanden sind und viele Mitarbeiter und die Gründer selbst reich gemacht haben. Und dies nicht nur im Großen, auch viele kleine Unternehmen sind sehr erfolg­reich aus guten Ideen ent­standen, also der Kerndisziplin des „Strategists“. Deshalb werfen wir einen genaueren Blick darauf, was wir in diesem Kontext von den Gründern lernen können.Und schließlich wollen wir ein wenig Struktur in die Frage bringen, wie man Gestaltung im Unternehmen beginnt. Denn wirksam ist immer nur das „Machen“!